Weihnachten mit Oma

Weihnachten mit Oma?!?

 

„Nur noch 1 Tag, dann ist Weihnachten“. Jack hatte ein gutes Gefühl, als er aufstand. Schnell lief er zu seinem Adventskalender, den seine Mama extra für ihn gebastelt hatte. Es war der 23.12.1965. Er lebte zusammen mit seiner Mutter Annabeth und seinem Vater Mikel in Stralsund, nahe der Ostsee. Sie hatten eine kleine Wohnung, nicht größer als 45m². Nachdem er sich angezogen hatte, machte er sich auf den Weg in die Küche, wo seine Mutter schon den Tisch gedeckt hatte. Wie jeden Morgen gab es eine Scheibe Brot mit Butter und Käse. Und wie jeden Morgen um 6.30 Uhr war sein Vater gerade auf dem Weg in  die Arbeit. „Hast du deinen Wunschzettel schon?“, fragte Annabeth ihren Sohn. „Ja, warte kurz.“ Wie ein Blitz sprintete er zurück in sein Zimmer, kramte seinen Wunschzettel aus der Schreibtischschublade und brachte ihn zu seiner Mutter. „Hier ist er“. Seine Mutter sah ihn verwundert an, als sie las, was er sich alles wünschte:

Mein Weihnachtswunschzettel:

  • Eine neue Schultasche
  • Einen Helikopter
  • Oma kennenlernen

„Am liebsten wäre mit das Letzte“, sagte Jack, während er sich ein Glas Milch einschenkte „Die Schultasche geht auch“. „Jack, du weißt doch, dass das mit Oma nicht geht. Wie sollen wir denn über die Grenze kommen? Das ist viel zu gefährlich.“ Seine Mutter legte den Wunschzettel weg und setzte sich gegenüber von ihm hin. „ Und selbst wenn wir es schaffen würden, wir müssten so gut wie alles da lassen, was wir besitzen. Und das können dein Vater und ich uns nun mal nicht leisten.“

Jack schlürfte sein Glas leer und erwiderte: „Ist doch egal, wir könnten bei Oma wohnen, Papa sagte mir, sie hätte ein großes Haus mit viel Platz.“ Annabeth seufzte und schaute ihn mit verzweifelten Blicken an. „Naja ist aber jetzt auch egal, vielleicht nächstes Jahr…“ Jack stand auf, räumte seinen Teller und sein Glas auf und holte seine Schultasche. „Bis später“, rief er seiner Mutter zu, während er die Treppen herunterhüpfte. Wie jeden Tag ging er an der Friedrich-Liststraße vorbei, wo sein Freund Max schon vor dem Tor der Schule auf ihn wartete. Die beiden Jungs kletterten über das Tor und liefen über den großen Platz, hinüber zur Gesamtschule im Philipp-Julius-Weg. Es war kurz vor halb 8 als die beiden Freunde zur Klassenzimmertür hereinstürmten. Ein paar Minuten später und sie wären zu spät. Leise gingen sie auf ihre Plätze und warteten, bis der Unterricht begann. Der Schultag verlief wie jeder andere letzte Schultag auch. Als endlich der Gong zum Schultagsende läutete, stürmten die Schüler schnell aus der Schule. Jack kam gegen 13 Uhr zuhause an. Er und Max hatten zuvor noch etwas Fußball mit den anderen Jungs gespielt, weswegen er von oben bis unten nass vom Schnee war. Anders als üblich stand sein Vater vor ihm. Als seine Mutter mit drei gepackten Koffern aus dem Schlafzimmer kam, fragte Jack diese verwundert: „Was machst du da Mama, und wieso ist Papa nicht in der Arbeit?“. Annabeth stellte die Koffer kurz ab und antwortete: „Dein Vater wurde gefeuert und nun können wir die Miete nicht mehr zahlen“ „Deine Mutter und ich haben daraufhin beschlossen, deinem Wunsch nachzugeben.“ „Und das heißt was?“, fragte Jack, der das alles irgendwie nicht realisieren wollte. „Das heißt, dass du Oma kennenlernst.“ Jack blieb sprachlos. Seine Mutter nahm zwei der Koffer wieder in die Hand, von denen sie einen Jack in die Hand drückte. Sein Vater nahm den größten Koffer und ging voraus. Seine Mutter folgte ihm. Bevor Jack durch die Tür ging und sich so für immer von seinem Zuhause verabschieden würde, stellte er noch einmal seinen Koffer ab und holte seinen Wunschzettel aus der Küche. Er faltete ihn und steckte ihn in seine Hosentasche. Danach nahm er den Koffer wieder in die Hand. Bevor er durch die Tür verschwand, drehte er sich noch ein letztes Mal um. Er dachte daran, was er hier alles erlebt und gelernt hatte. Er war eigentlich nicht wirklich bereit, das alles zu verlassen. Seine Freunde, seine Verwandten, sein Zuhause. Daran hatte er heute Morgen noch nicht gedacht. „Jack, kommst du?“ „Ja, sofort!“ Er drehte sich Richtung Treppenhaus und hüpfte die Treppen hinunter, sicher dass das das letzte Mal in diesem Haus wäre.

Nachdem er seine Eltern wieder eingeholt hatte, begaben sie sich zusammen in Richtung Bahnhof. Sie kauften sich ein Ticket nach Berlin, da sie dachten, es wäre dort am einfachsten, über die Grenze zu kommen. Als sie endlich angekommen waren, gingen sie erstmal in die Richtung der Grenze. Annabeth kannte einen der Grenzwächter, der ihnen den Übergang ermöglichen sollte. Da er keine Nachtschicht hatte, aber wusste, dass die anderen Grenzwächter sie nicht vorbeilassen würden, gab er ihnen einen Schlüssel, zu einem Haus nahe der Stelle, wo er morgens immer zu arbeiten anfängt. Das Haus war nicht sehr groß, und es war auch nichts zum Essen im Kühlschrank, aber sie hatten genügend Betten und Decken, sodass ihnen wenigstens nicht kalt war.

Am nächsten Morgen, den 24.12.1965, weckte Annabeth ihren Sohn und ihren Mann gleich, als sie um 6 Uhr aufwachte. „Schnell, wacht auf. Es ist Zeit!“ Roland, der bekannte Grenzwächter, hatte jeden Tag von 5.30 bis um 16 Uhr Wachdienst. Von Anfang seiner Schicht bis um 7 Uhr war er immer allein, weil sein Kollege Hans dann immer erst seine Kinder zur Schule brachte. Jack musste sich sehr bemühen, um aufzustehen. Er war noch total verschlafen, da er erst um 1 Uhr in der Nacht einschlafen konnte. Mühevoll zog er sich seine Jacke über und band seine Schnürsenkel. Danach nahm er seinen Koffer in die Hand und kontrollierte, ob sein Wunschzettel noch in seiner Tasche war. Mikel war unterdessen damit beschäftigt, das Haus wieder so hinzurichten, wie sie es vorgefunden haben. „ Kommt, sonst schaffen wir es nicht mehr.“ Annabeth wickelte sich den Schal um den Hals, nahm den Koffer und ging voraus. Als sie an der Grenze ankamen, war es 10 vor 7, gerade rechtzeitig, bevor Rolands Kollege kam. „Kommt schnell, Hans kann jeden Augenblick auftauchen.“ Roland drückte ihnen ein paar D-Mark in die Hand und brachte sie über die Grenze „ Das ist ein kleines Geschenk von meiner Frau, sie wollte, dass ich es euch gebe. Ich soll euch einen schönen Gruß von ihr ausrichten.“ „Danke!“, sagte Annabeth, „danke, für alles!“ Sie verstaute das Geld in ihrer Jackentasche und verschwand zusammen mit Jack und Mikel hinter den Häusern Westberlins.

Als die Familie den Bahnhof erreichte, war es schon 8.30 Uhr. Sie hatten einen langen Weg hinter sich gebracht. Sie kauften sich Tickets für den nächsten Zug nach Nürnberg, wo Jacks Großmutter in der Nähe lebte. Während der Zugfahrt fragte sich Jack so viele Sachen. Wie wird es wohl Max gehen? Ob er wohl gerade mit den anderen Jungs Fußball spielt? Was wird aus der Wohnung? Wird Papa einen neuen Job finden? Wie wird das Weihnachtsfest ohne Tante Hilde? Wie kann es schön werden, wenn sie nicht ihren berühmten Schokoladenkuchen macht? Wie wird Oma auf den plötzlichen Besuch reagieren? Das einzige, was er wusste war, dass er endlich seine Oma kennenlernen würde. Und das hatte er sich doch am allermeisten gewünscht.

 

Rebecca Aigner, Katharina und Alexandra Müller M9d

 

 

 

 

 

 

 

 

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