Hoffnung auf ein neues Leben!

Hoffnung auf ein neues Leben!

 

„Es wird alles gut“, beruhigte ich meine Tochter Paula. Draußen vor der Tür hörten wir noch seine Wutausbrüche. Paula und ich hören die Haustür zuknallen und den Motor starten. Er war nun wohl weg, wahrscheinlich wieder zurück in seine eigene Sportfirma. Als wir in meinem begehbaren Kleiderschrank hocken, fragte ich mich, Laura Meier, warum ich mir das antat. Ich rufe sofort meine beste Freundin an und frage sie, ob sie zu mir kommen kann. 10 Minuten später klingelte es an der Tür. Ich nehme Paula an die Hand und gehe hinunter, um die Tür zu öffnen. Melissas Blick sagt alles: sie war stinksauer auf Steven!

Wir gehen in die Küche, ich mache Kaffee und Paula geht in ihr Zimmer und spielt. „Ich hab es dir ja schon immer gesagt, Laura, er ist nicht gut für dich!“, meint Melissa. „Ja, ja ich weiß schon, aber ich liebe ihn doch so sehr. Ich bin von ihm abhängig. Du weißt doch, dass ich von ihm aus nicht arbeiten gehen darf und in meinem Alter finde ich sowieso keinen Job mehr“, behaupte ich. „Ach erzähl doch keinen Blödsinn, mit 28 Jahren findet man noch leicht einen Beruf!“, schnauzt sie mich an und trank genervt einen Schluck heißen Kaffee. Ich höre ihr kaum noch zu, es war immer das Gleiche: lauf weg, lass dir helfen, geh in ein Mutter-Kind-Heim und so weiter, denke ich mir genervt. Sie erzählt von einem „tollen“ Mutter-Kind-Heim in der Nähe, währenddessen verarzte ich meine Wunden. Ich verabschiede mich von ihr und fange mit der Hausarbeit an, weil Steven es nicht leiden kann wenn alles unordentlich ist. 

Kurz vor 18:00 Uhr sage ich Paula, die im Wohnzimmer spielt: „Paula, Schatz geh bitte in dein Zimmer, Papa kommt gleich heim.“ „ Mama, tut er dir weh?“, fragt sie mich ängstlich. „Nein, mein Schatz. Keine Angst wir müssen nur etwas wegen Weihnachten besprechen, währenddessen kannst du einen Wunschzettel ans Christkind schreiben“, schicke ich sie beruhigt in ihr Zimmer.

Ich höre das Auto in den Hof fahren und ich fange an sein Essen herzurichten, sein Lieblingsgericht: Paprika-Rahm Schnitzel mit Pommes. Er begrüßt mich mit einem mürrischen Ton. Das kann ja kein gutes Ende haben, denke ich mir. „Hallo Schatz, hast du Hunger?“, frage ich ihn. „Ja, bring es mir ins Wohnzimmer, sofort“. Ich bringe ihm sein Essen und frage, wie sein Tag war.
„Bah, das ist ja schon kalt, du bist für nichts zu gebrauchen!“, schreit Steven mich an. Er schubst den Teller vom Tisch, sodass die ganze Soße auf dem Teppich verteilt ist. Ich knie mich hin, hebe alles, was geht, auf und bringe es in die Küche, anschließend hole ich einen Lappen und versuche den Teppich zu reinigen. „Du Schatz, ich wollte nochmal mit dir reden, da ja bald Weihnachten ist, sollten wir langsam ein Geschenk für Paula kaufen, findest du nicht?“, frage ich ihn vorsichtig. Sein Gesichtsausdruck wird immer wütender. Plötzlich schlägt er mir ins Gesicht und schreit mich an: „Der Göre kaufe ich gar nichts! Vielleicht bin ich ja nicht mal der Vater bei dir weiß man nie!“

Paula macht ihre Tür auf und sieht mich auf dem Boden liegen. „Mama geht es dir gut?“, fragt sie mich stotternd. „ Ja, geh bitte wieder in dein Zimmer, ich bin nur hingefallen“, sage ich schnell. Paulas Anblick macht ihn nur noch viel wütender. Steven packt mich an meinen Haaren und zieht mich ins Schlafzimmer hinauf. „ Du nichtsnutziges Ding!“, faucht er mich an und schlägt meinen Kopf gegen die Wand. Er lässt mich auf den Boden liegen, knallt die Tür zu und geht ins Wohnzimmer, um Fußball zu gucken. Ich setze mich auf das Bett und nehme mein Handy um Melissa zu schreiben: „Hallo Melissa, er hat meinen Kopf gegen die Wand geschlagen, ich hoffe nur dass Paula nichts mitbekommen hat. Hier ist alles voller Blut.“ Es dauert nicht lange, bis sie mir zurück schreibt.

„Ich schaue das nicht länger mit an! Ihr verschwindet heute von diesen Mistkerl! Heute Nacht noch! Ich hole euch um 02:00 Uhr in der Früh ab, packt alles, bis dann.“ Ich gehe in die Küche und hole mir einen Kühlbeutel, anschließend schaue ich zu Paula ins Zimmer. „Paula, wir spielen jetzt ein Spiel ok? Aber sag Papa nichts davon. Du packst deine ganzen Sachen, die du am liebsten hast, in deinen pinken Koffer, ich mache das gleiche und danach vergleichen wir, einverstanden?“ flüsterte ich. Sie nickt, steht auf und macht sich sofort an die Arbeit.

Es ist kurz vor 2:00 Uhr, Steven schläft schon. Ich nehme meinen gepackten Koffer und schleiche leise zu Paula. Ich wecke sie auf: „Schatz, ist dein Koffer fertig? Komm, wir gehen ihn vergleichen mit Melissa, denn sie wollte auch mitspielen. Ich weiß, es ist schon spät, aber das wäre doch ein schönes Abenteuer. Zieh dich leise an und komm dann in die Küche. Sie kommt in die Küche und ich gebe ihr einen kleinen Snack. „Ich hoffe er findet uns nicht“, flüstere ich Melissa zu. „Mami, wohin fahren wir?“, fragt Paula mich unsicher.

„Ins Krankenhaus, deine Mama ist ja hingefallen und das wollen wir kurz anschauen lassen“, antwortet Melissa für mich. Während wir im Auto sitzen, gehen mir Tausende verschiedene Gedanken durch den Kopf: Wie reagiert wohl mein Mann, wenn er aufwacht und wir nicht mehr da sind. Wird er die Polizei rufen? Oder wird er uns suchen? - Er wird uns bestimmt suchen, da bin ich mir sicher und er wird total ausrasten. Ach  wären wir doch bloß nicht abgehauen. - Er schlägt mich tot, wenn er uns findet. Als wir im Krankenhaus ankommen, sieht mich die Krankenschwester geschockt an. Melissa nimmt Paula an die Hand und geht mit ihr ins Wartezimmer. Es dauerte nicht lange,  bis der Arzt kommt, während ich und die Schwester warten, fragt sie mich über meine Verletzungen aus. Ich sage natürlich die Wahrheit. Es dauert lange, bis wir mit der Untersuchung fertig sind, anschließend bietet er mir und meinem Kind ein Krankenzimmer an, da Steven es jeden Moment  merken kann, dass wir weg sind. Als ich mit Paula zum Zimmer gehe, sage ich ihr, dass sie schon mal vorgehen soll, da ich noch mit Melissa vor der Tür sprechen will: „Du Melissa, danke für alles. Du bist echt die beste. Paula tut mir so leid es ist morgen Weihnachten und sie bekommt nichts.“, sage ich betrübt. „Ach mach dir darum keine Sorgen, ich werde ihr etwas kaufen. Sie zeigte mir ihren Wunschzettel, als wir im Wartezimmer saßen, aber da standen nur zwei Wünsche darauf und zwar eine eigene Puppe und dass es dir wieder gut geht!", meint sie.  „Glaube mir, es wird mir besser gehen, jetzt bin ich endlich frei für einen Neuanfang, ich kann arbeiten gehen“. Ich umarme sie und dann fährt sie schon wieder nach Hause. Ich gehe zu Paula, aber sie schläft schon, also ziehe ich mich um und lege mich neben sie.

Kurz vor 7:00 Uhr weckt mich die Krankenschwester für das Frühstück. Bevor ich mit dem Essen beginne, schaue ich auf mein Handy: Steven hat mich zehn Mal angerufen und wütende Nachrichten geschickt. Eine der längsten Nachrichten lautet: „Du dreckiges Miststück, wo bist du? Ich habe alles für dich aufgegeben und du haust einfach ab mit deiner blöden Tochter. Na warte, wenn ich dich erwische du …. " Das zu ertragen ist einfach zu schwer. Ich kann nicht mehr, aber meine Entscheidung ist richtig. Ich werde nie wieder zu ihm zurück kommen. Ich wecke Paula mit den Worten: „Guten Morgen mein Schatz, los du musst was essen und dann packen wir unsere Sachen  und fahren an einen schönen Ort, dort werden wir nur Spaß haben.“ Ich rufe ein Taxi damit wir in das Mutter-Kind-Heim fahren können, das uns Melissa empfohlen hat. Sie hat uns schon angemeldet. Als das Taxi kommt, haben ich und Paula schon alles gepackt. Ich bin schon gespannt, wie es da wohl sein wird. 20 Minuten später stehen wir vor einem großen, roten Gebäude. Ich bin ganz schön nervös, das ist die Chance auf ein besseres Leben.  Die Eingangshalle ist  riesig und mittendrin steht ein riesiger Weihnachtsbaum, dessen Licht den ganzen Raum erfüllt. „Guten Tag! Sind Sie Frau Meier?“, fragt mich die Empfangsdame freundlich. „Ja das bin ich und das ist meine Tochter Paula. Meine Freundin Melissa hat uns schon angemeldet, oder?“ , antworte ich. „Ja, genau, hier ist ihr Schlüssel, Sie haben das Zimmer 168 und hier wird es Ihnen sicherlich besser gehen. Falls Sie noch fragen haben, können Sie sich entweder an der Informationstafel informieren oder hier anrufen.“, informiert sie mich. „Danke!“, sage ich und nehme Paula an die Hand und gehe zur Informationstafel. Da steht: „Große Weihnachtsfeier morgen ab 17:00 Uhr.“ Ich und Paula gehen die Treppen hoch zu unserem „neuem Zuhause“. Ab jetzt wird alles besser. Es gibt ein Bad und ein Schlafzimmer. Es ist klein, aber fein. Auf dem kleinen Tisch liegt ein Plan von der Anlage: Es gibt einen Computerraum, eine Gemeinschaftsküche, ein Gemeinschaftsesszimmer, einen Gruppenraum und eine Kinderbetreuung. Ich und Paula richten unsere neue Wohnung ein. Plötzlich klingelt mein Handy. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Anonym. Ist es Steven? Vorsichtig hebe ich ab und sagte noch kein Wort. „Hallo hier ist Melissa, wie geht es euch?“, schallt es aus dem Handy. Gott sei Dank nicht Steven, denke ich mir. „Hallo Melissa, uns geht es gut hier, es ist sehr schön, nicht groß aber es passt schon. Morgen wird ab 17 Uhr ein Weihnachtsfest vorbereitet, willst du auch kommen?“, erzähle ich ihr. „Natürlich, ich habe auch schon das Geschenk für Paula. Ich muss jetzt aufhören, ich gehe jetzt zur Arbeit. Bis morgen.“, antwortet sie mir. Paula und ich spielen noch ein paar Kartenspiele, die wir in unserem Zimmer gefunden haben und gehen dann runter zum Abendessen. Es gibt Spaghetti mit Tomatensoße. Es schmeckt uns sehr gut und Paula hat eine Freundin gefunden.  Sie heißt Marie und ist auch vier Jahre alt. Ich hab Maries Mama, Anna, kennen gelernt, sie ist erst 20 Jahre alt und ihre Eltern haben sie verstoßen und jetzt ist sie hier seit 4 Jahren. Beide sind sehr nett.

Jetzt ist es 18:30 Uhr und Paula und ich spielen wieder Karten. UNO. Wir sind schon müde und werden wohl in ein paar Minuten schlafen gehen.

„Aufstehen Mama, steh auf!“, weckt mich Paula, „heute ist Weihnachten.“ Ich schaute verschlafen auf mein Handy, es ist 9:00 Uhr und von Steven hab ich schon wieder einige Nachrichten bekommen, um ihn werde ich mich in ein paar Tagen kümmern. Wir ziehen uns um und gehen die Treppen hinunter zum Frühstücken. Ich und Paula setzen uns wieder neben Anna und Marie. Es ist sehr interessant, Annas Erfahrungen zu hören. Dies gibt mir Hoffnung. Hoffnung auf ein neues Leben. Den ganzen Tag machen wir nichts Besonderes, Marie und Paula spielen den ganzen Tag und Anna und ich unterhalten uns nur über die verschiedensten Sachen.

Es ist kurz vor 17:00 Uhr. Melissa ist gerade angekommen und findet, dass wir es hier sehr schön haben. Wir gehen gemeinsam in das Gemeinschaftsesszimmer. Während wir runtergehen, erzählt mir Melissa, dass sie das Geschenk unter den Baum gelegt hat.  Unten angekommen steht ein wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum, unter ihm liegen viele Geschenke. Ich stelle Melissa, Anna und Marie vor. Die Kinder laufen sofort zum Baum hin und suchen ihre Geschenke. Paula ist sehr glücklich über ihre neue Puppe. In diesem wunderschönen Moment weiß ich, dass ausgerechnet an Weihnachten ein neues Kapitel in meinem Leben beginnt.

 

von Jaqueline Erber und Emmy Schlingmann, M9d

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